Bremsflüssigkeit überträgt in hydraulischen Bremssystemen die Betätigungskraft und muss auch bei hohen Temperaturen zuverlässig funktionieren. Mit zunehmendem Alter kann sie Feuchtigkeit aufnehmen. Dadurch verändert sich insbesondere ihr Siedeverhalten.

Wichtig für Nutzfahrzeuge: Schwere LKW und Busse besitzen überwiegend Druckluftbremsanlagen und verwenden für die eigentliche Betriebsbremse keine Bremsflüssigkeit. Das Thema betrifft daher vor allem Transporter, leichte Nutzfahrzeuge und andere Fahrzeuge mit hydraulischer Bremsanlage.

Warum nimmt Bremsflüssigkeit Feuchtigkeit auf?

Viele gebräuchliche Bremsflüssigkeiten auf Glykolbasis sind hygroskopisch. Über längere Zeit gelangt Feuchtigkeit in das Bremssystem und wird von der Flüssigkeit aufgenommen.

Mit steigendem Wassergehalt sinkt der Nasssiedepunkt. Bei hoher thermischer Belastung kann die Flüssigkeit dadurch früher zu sieden beginnen. Entstehende Dampfblasen sind kompressibel und können die hydraulische Kraftübertragung erheblich beeinträchtigen.

Wassergehalt ist nicht das einzige Prüfkriterium

Eine reine Sichtprüfung erlaubt keine zuverlässige Aussage über den Zustand der Bremsflüssigkeit. Auch eine optisch klare Flüssigkeit kann bereits gealtert sein.

Messgeräte können zusätzliche Hinweise auf den Zustand liefern. Dabei ist jedoch wichtig, das jeweilige Messverfahren zu kennen: Nicht jeder elektronische Tester bestimmt den tatsächlichen Wasseranteil direkt, und die Aussagekraft kann von Bremsflüssigkeit und Messprinzip abhängen.

Entscheidend bleiben deshalb die Wechsel- und Prüfvorgaben des Fahrzeugherstellers.

Welche Bremsflüssigkeit gehört ins Fahrzeug?

Bremsflüssigkeiten dürfen nicht allein anhand ihrer Bezeichnung oder Farbe ausgewählt beziehungsweise miteinander vermischt werden.

Je nach Fahrzeug können unterschiedliche Spezifikationen vorgeschrieben sein. Beispielsweise unterscheiden sich DOT 3, DOT 4, DOT 5.1 und weitere Ausführungen in ihren Eigenschaften. DOT 5 auf Silikonbasis ist dabei nicht mit den üblichen glykolbasierten DOT-Flüssigkeiten gleichzusetzen.

Verwendet werden sollte ausschließlich eine für das jeweilige Bremssystem freigegebene Spezifikation.

Bremsflüssigkeit fachgerecht wechseln

Beim Wechsel wird die alte Flüssigkeit nach dem vorgesehenen Verfahren durch neue Bremsflüssigkeit ersetzt und das hydraulische System anschließend korrekt entlüftet.

Dabei ist darauf zu achten, dass keine Luft in der Anlage verbleibt und keine Verunreinigungen eingebracht werden. Bei Fahrzeugen mit ABS oder anderen hydraulischen Regelsystemen können je nach Konstruktion zusätzliche Entlüftungs- oder Diagnoseverfahren erforderlich sein.

Ein vollständiges „Entleeren und Spülen“ ist daher nicht pauschal das richtige Verfahren für jedes Fahrzeug.

Weiches Bremspedal nicht automatisch der Bremsflüssigkeit zuordnen

Ein verändertes oder weiches Pedalgefühl kann durch Luft beziehungsweise Dampf im hydraulischen System entstehen. Es gibt jedoch zahlreiche weitere mögliche Ursachen, darunter Undichtigkeiten, Probleme am Hauptbremszylinder, Bremsschläuche oder andere hydraulische Komponenten.

Der Zustand der Bremsflüssigkeit ist deshalb ein wichtiger Teil der Diagnose, aber kein alleiniger Beweis für die Fehlerursache.

Fazit

Bei hydraulisch gebremsten Nutzfahrzeugen gehört die Bremsflüssigkeit zu den sicherheitsrelevanten Betriebsstoffen. Feuchtigkeitsaufnahme kann den Siedepunkt reduzieren und die Eigenschaften der Flüssigkeit verändern.

Statt sich ausschließlich auf Farbe oder einen einzelnen Messwert zu verlassen, sollten Spezifikation, Zustand und Wechselintervalle nach den Vorgaben des Fahrzeugherstellers beurteilt werden.

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