Bremsbeläge und Bremsscheiben sind im Nutzfahrzeug hohen mechanischen und thermischen Belastungen ausgesetzt. Wie schnell sie verschleißen, hängt unter anderem von Fahrzeuggewicht, Einsatzprofil, Fahrweise und Bremssystem ab.
Eine fachgerechte Prüfung betrachtet deshalb nicht nur die Laufleistung, sondern den tatsächlichen Zustand der Bremskomponenten.
Bremsbeläge richtig beurteilen
Bei Bremsbelägen ist die verbleibende Belagstärke ein wichtiger Prüfpunkt. Maßgeblich sind die Verschleißgrenzen des jeweiligen Bremssystems.
Zusätzlich sollte das Verschleißbild betrachtet werden. Auffällig sind beispielsweise:
- unterschiedlich starke Abnutzung
- Risse oder Ausbrüche
- verglaste Reibflächen
- ungewöhnliche Verfärbungen
- einseitiger Verschleiß
Ungleichmäßiger Verschleiß kann unter anderem durch schwergängige Führungen, Probleme am Bremssattel oder eine nicht vollständig lösende Bremse entstehen. In solchen Fällen reicht es nicht, lediglich neue Beläge einzubauen.
Bremsscheiben nicht nur nach Dicke prüfen
Bei Bremsscheiben ist die Mindestdicke ein wichtiges Kriterium, aber nicht das einzige.
Auch Riefen, Risse, Korrosion, thermische Veränderungen und das allgemeine Tragbild der Reibfläche müssen berücksichtigt werden. Welche Oberflächenveränderungen noch zulässig sind, richtet sich nach den Vorgaben des Bremsen- beziehungsweise Fahrzeugherstellers.
Bei Bremsrubbeln können zusätzlich Messungen auf Seitenschlag oder Dickenschwankungen erforderlich sein.
Beläge und Scheiben gemeinsam betrachten
Bremsbelag und Bremsscheibe bilden ein Reibpaar. Auffälliger Verschleiß an einem Bauteil kann deshalb Auswirkungen auf das andere haben.
Werden neue Bremsbeläge montiert, obwohl die Bremsscheibe bereits außerhalb der zulässigen Verschleißgrenze liegt oder deutliche Schäden aufweist, ist die Ursache nicht behoben.
Umgekehrt sollte bei auffälligen Bremsscheiben auch geprüft werden, ob Bremssattel, Führungen und Betätigung einwandfrei arbeiten.
Unterschiede zwischen den Radbremsen beachten
Deutliche Unterschiede zwischen den Bremsen einer Achse können einen wichtigen Hinweis auf eine Störung liefern.
Unterschiedlicher Belagverschleiß oder auffällige Temperaturunterschiede können beispielsweise auf eine schwergängige Mechanik oder ungleichmäßige Betätigung hinweisen.
Die Ursache sollte vor dem Austausch der betroffenen Ersatzteile geklärt werden, damit sich das gleiche Verschleißbild nicht erneut entwickelt.
Verschleißgrenzen nach Herstellervorgabe
Für Bremsbeläge und Bremsscheiben gibt es keine universelle Verschleißgrenze für alle Nutzfahrzeuge. Zulässige Mindestmaße und Prüfkriterien hängen vom jeweiligen Bremssystem ab.
Deshalb sollten Messwerte mit den technischen Vorgaben des Herstellers verglichen werden. Bei sicherheitsrelevanten Bremskomponenten ist eine reine Beurteilung „nach Augenmaß“ nicht ausreichend.
Fazit
Bei der Prüfung von LKW-Bremsen sind Reststärke und Mindestmaße nur ein Teil der Bewertung. Verschleißbild, Reibflächen, Bremssattel und angrenzende Komponenten gehören ebenfalls zur Diagnose.
Auffälliger Verschleiß sollte dabei nicht nur durch den Austausch von Bremsbelägen oder Bremsscheiben behoben werden. Entscheidend ist, auch die Ursache zu erkennen.
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