Achsbefestigungen und Klemmverbindungen im Fahrwerk von Nutzfahrzeugen sind hohen statischen und dynamischen Belastungen ausgesetzt. Fahrzeuggewicht, Brems- und Antriebskräfte sowie Fahrbahnstöße werden über Achse, Federung und Befestigungselemente in die Fahrzeugstruktur übertragen.

Risse oder andere Schäden in diesem Bereich sollten deshalb ernst genommen werden. Wichtig ist allerdings eine präzise Betrachtung: „Achsklemmung“ bezeichnet nicht bei jedem Nutzfahrzeug dieselbe Konstruktion. Aufbau und Prüfverfahren hängen von Achse, Federung und Fahrzeugausführung ab.

Welche Aufgabe hat die Achsklemmung?

Je nach Fahrwerkskonstruktion sorgen Klemm- und Befestigungselemente dafür, dass Achse, Federung und weitere Fahrwerkskomponenten in ihrer vorgesehenen Position gehalten werden.

Dazu können beispielsweise Federbügel, Klemmplatten, Halter, Konsolen oder andere Befestigungselemente gehören.

Die konkrete Konstruktion unterscheidet sich jedoch deutlich zwischen Fahrzeugen mit Blattfederung, Luftfederung und verschiedenen Achssystemen. Deshalb sollte bei Prüfung und Reparatur immer die technische Dokumentation der jeweiligen Achs- beziehungsweise Fahrwerksausführung zugrunde gelegt werden.

Wo können Risse entstehen?

Risse entstehen nicht ausschließlich durch normale Materialermüdung. Unterschiedliche mechanische und äußere Einflüsse können beteiligt sein.

Mögliche Faktoren sind:

  • hohe oder wiederkehrende mechanische Belastungen
  • starke Fahrbahnstöße
  • Korrosion und Materialabtrag
  • vorherige Beschädigungen
  • ungeeignete Reparaturen oder Veränderungen
  • nicht korrekt montierte Befestigungsverbindungen

Besondere Aufmerksamkeit verdienen konstruktive Übergänge, Befestigungspunkte und bereits auffällige Bereiche.

Eine hohe Laufleistung allein beweist dagegen nicht, dass eine Achsklemmung beschädigt ist.

Risse sind nicht immer mit bloßem Auge erkennbar

Der Begriff „Haarriss“ wird häufig für sehr feine sichtbare Risse verwendet. Nicht jeder beginnende Materialfehler lässt sich jedoch bei einer einfachen Sichtkontrolle zuverlässig erkennen.

Schmutz, Korrosion, Beschichtungen oder eine ungünstige Lage können die Beurteilung zusätzlich erschweren.

Vor einer Sichtprüfung kann deshalb eine geeignete Reinigung erforderlich sein. Dabei sollte die Oberfläche nicht so verändert werden, dass mögliche Schadensmerkmale beseitigt oder verdeckt werden.

Auffällige Korrosionsspuren, Verformungen oder Veränderungen an Befestigungspunkten können Anlass für eine genauere Untersuchung sein.

Welche Symptome können auf Probleme hinweisen?

Schäden an Achs- oder Fahrwerksbefestigungen können unterschiedliche Auswirkungen haben. Je nach Art und Ausmaß können beispielsweise auftreten:

  • ungewöhnliche Geräusche aus dem Fahrwerksbereich
  • sichtbares Spiel oder Bewegung an einer Verbindung
  • gelockerte oder beschädigte Befestigungselemente
  • Verformungen
  • auffällige Korrosionsspuren
  • veränderte Achs- oder Fahrwerksgeometrie
  • ungewöhnlicher Reifenverschleiß

Diese Symptome sind allerdings nicht spezifisch für Risse an einer Achsklemmung.

Einseitiger Reifenverschleiß oder schlechter Geradeauslauf kann zahlreiche andere Ursachen haben. Solche Auffälligkeiten sind deshalb ein Diagnosehinweis, aber kein Nachweis eines bestimmten Schadens.

Sichtprüfung und zerstörungsfreie Prüfung

Eine sorgfältige Sichtprüfung ist ein wichtiger erster Schritt. Dabei sollten die zugänglichen Bereiche unter geeigneten Bedingungen auf Risse, Korrosion, Verformungen und andere Auffälligkeiten untersucht werden.

Besteht ein konkreter Verdacht auf einen Riss, kann abhängig von Werkstoff, Bauteil und Herstellervorgabe eine weiterführende zerstörungsfreie Prüfung (NDT) sinnvoll oder vorgeschrieben sein.

Ein mögliches Verfahren ist die Farbeindringprüfung. Sie eignet sich zur Erkennung von zur Oberfläche offenen Fehlern bei geeigneten Werkstoffen und Oberflächen.

Sie ist jedoch kein universelles Prüfverfahren für jede Achskomponente. Je nach Werkstoff und Fragestellung können andere Verfahren geeigneter sein.

Die Auswahl und Bewertung des Prüfverfahrens sollte daher fachgerecht erfolgen.

Befestigungen nicht einfach nachziehen

Werden gelockerte Befestigungen festgestellt, sollte nicht automatisch lediglich „nachgezogen“ werden.

Bei Achs- und Fahrwerksverbindungen können unter anderem vorgeschriebene Drehmomente, Drehwinkel, Montagefolgen und Anforderungen an Befestigungselemente gelten.

Auch die Ursache einer gelockerten Verbindung muss berücksichtigt werden. Beschädigte Gewinde, gesetzte Verbindungen, Verformungen oder bereits geschädigte Bauteile werden durch bloßes Nachziehen nicht behoben.

Maßgeblich sind die Reparatur- und Montagevorgaben des jeweiligen Fahrzeug-, Achs- oder Fahrwerksherstellers.

Was tun bei einem festgestellten Riss?

Ein Riss an einem sicherheitsrelevanten Achs- oder Fahrwerksbauteil sollte nicht durch eine improvisierte Reparatur beurteilt oder beseitigt werden.

Ob ein Bauteil ersetzt werden muss oder ein freigegebenes Reparaturverfahren existiert, hängt von der betroffenen Komponente und den Herstellervorgaben ab.

Insbesondere Schweißarbeiten an Achs- und Fahrwerkskomponenten dürfen nicht allein deshalb durchgeführt werden, weil ein Riss technisch erreichbar erscheint. Werkstoff, Wärmebehandlung und Bauteilkonstruktion können durch einen ungeeigneten Eingriff erheblich beeinflusst werden.

Warum auch angrenzende Bauteile geprüft werden sollten

Wird an einer Achsbefestigung ein Schaden festgestellt, kann eine Kontrolle des angrenzenden Fahrwerksbereichs sinnvoll sein.

Je nach Schaden können beispielsweise Befestigungselemente, Halter, Federungskomponenten oder angrenzende Aufnahmen mitbetroffen sein.

Dadurch lässt sich vermeiden, lediglich das offensichtlich beschädigte Teil zu ersetzen, während die Ursache oder ein weiterer Schaden bestehen bleibt.

Kontrolle nach Herstellervorgabe

Eine regelmäßige Fahrwerkskontrolle ist besonders bei Fahrzeugen mit hoher Beanspruchung sinnvoll. Daraus sollte jedoch kein pauschales Prüfintervall für jede Achsklemmung abgeleitet werden.

Wann Befestigungen kontrolliert, Drehmomente geprüft oder Bauteile ersetzt werden müssen, richtet sich nach Fahrzeug, Achssystem, Einsatzbedingungen und Herstellervorgaben.

Bei Arbeiten an sicherheitsrelevanten Fahrwerkskomponenten sind diese Vorgaben entscheidend.

Risse im Fahrwerk nicht unterschätzen

Achsbefestigungen übertragen erhebliche Kräfte und gehören zu den sicherheitsrelevanten Bereichen eines Nutzfahrzeugs. Risse, Verformungen, Korrosion oder gelockerte Verbindungen sollten deshalb fachgerecht untersucht werden.

Eine Sichtkontrolle kann wichtige Schäden erkennen, hat bei feinen oder verdeckten Rissen jedoch Grenzen. Bei einem konkreten Verdacht können geeignete zerstörungsfreie Prüfverfahren eine weiterführende Beurteilung ermöglichen.

Entscheidend ist, einen auffälligen Befund nicht allein anhand eines einzelnen Symptoms zu bewerten, sondern die betroffene Achs- und Fahrwerkskonstruktion als Ganzes zu berücksichtigen.

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