Die Hinterachsübersetzung ist ein wichtiges Merkmal des Antriebsstrangs eines Nutzfahrzeugs. Sie beeinflusst das Verhältnis zwischen Motordrehzahl, Fahrgeschwindigkeit und dem an den Rädern verfügbaren Drehmoment.

Für die Ersatzteilbestimmung wird sie besonders dann relevant, wenn Komponenten des Achsantriebs oder eine komplette Achseinheit ersetzt werden sollen. Denn zwei LKW derselben Baureihe können unterschiedliche Achstypen und Übersetzungsverhältnisse besitzen.

Was bedeutet Hinterachsübersetzung?

Die Hinterachsübersetzung beschreibt das Übersetzungsverhältnis des Achsantriebs. Vereinfacht gesagt gibt sie an, wie oft sich der Eingang des Achsantriebs drehen muss, damit sich die angetriebenen Räder entsprechend drehen.

Eine Übersetzung von beispielsweise i = 3,08 bedeutet vereinfacht, dass sich die Eingangswelle etwa 3,08-mal dreht, während sich das Rad beziehungsweise die Ausgangsseite einmal dreht.

Dabei gilt grundsätzlich:

  • eine größere numerische Übersetzung erhöht bei ansonsten gleichen Bedingungen das Drehmoment am Rad, führt bei gleicher Fahrgeschwindigkeit aber zu einer höheren Motordrehzahl
  • eine kleinere numerische Übersetzung ermöglicht bei gleicher Fahrgeschwindigkeit eine niedrigere Motordrehzahl, liefert aber eine geringere Drehmomentübersetzung

Die Begriffe „kurze“ und „lange“ Übersetzung werden im Alltag häufig verwendet, können jedoch missverständlich sein. Die konkrete Übersetzungszahl ist für die technische Identifikation eindeutiger.

Warum gibt es unterschiedliche Achsübersetzungen?

Nutzfahrzeuge werden für sehr unterschiedliche Anwendungen konfiguriert. Bei der Auslegung des Antriebsstrangs werden unter anderem Motor, Getriebe, Reifenabrollumfang, zulässige Lasten, gewünschte Fahrleistungen und Einsatzprofil berücksichtigt.

Ein Fahrzeug für den Fernverkehr kann deshalb eine andere Achsübersetzung besitzen als eine Variante derselben Baureihe für Bau- oder Verteilerverkehr.

Die Übersetzung ist damit Teil der gesamten Fahrzeugkonfiguration und nicht allein vom Modellnamen abhängig.

Welche Bauteile werden von der Übersetzung direkt beeinflusst?

Besonders wichtig ist die Übersetzung bei Komponenten, die das eigentliche Übersetzungsverhältnis erzeugen.

Dazu gehören insbesondere Tellerrad und Ritzel beziehungsweise entsprechende Komponenten des Achsgetriebes. Diese müssen als technisch zueinander passende Kombination ausgeführt sein.

Je nach Achstyp und Ausführung können außerdem Unterschiede bei weiteren Komponenten bestehen, beispielsweise:

  • Differential- beziehungsweise Achsgetriebeeinheiten
  • Gehäusen und Flanschen
  • Lagern und Dichtungen
  • Antriebsflanschen
  • weiteren achsspezifischen Komponenten

Wichtig ist die Unterscheidung: Die Hinterachsübersetzung bedeutet nicht automatisch, dass jedes Lager, jede Dichtung oder jede Kardanwelle bei einer anderen Übersetzung ebenfalls unterschiedlich sein muss. Entscheidend ist die konkrete Achsausführung und Teilenummer.

Gleiches LKW-Modell bedeutet nicht gleiche Hinterachse

Innerhalb einer Fahrzeugbaureihe können verschiedene Achsen und Übersetzungen angeboten worden sein.

Deshalb reicht eine Angabe wie „MAN TGX“, „Mercedes-Benz Actros“ oder „Volvo FH“ für ein Ersatzteil des Achsantriebs nicht aus. Auch Baujahr und Motorisierung allein müssen keine eindeutige Zuordnung ermöglichen.

Besonders bei gebrauchten Nutzfahrzeugen kommt hinzu, dass Achsen oder andere Komponenten im Laufe des Fahrzeuglebens ersetzt worden sein können.

Die aktuell verbaute Achse sollte deshalb berücksichtigt werden.

Achsschild und Achsnummer sind besonders wichtig

Bei Reparaturen am Achsantrieb können die Angaben auf dem Typenschild beziehungsweise der Kennzeichnung der Achse entscheidend sein.

Je nach Hersteller können dort unter anderem Informationen zu:

  • Achstyp
  • Achsnummer
  • Seriennummer
  • Ausführung
  • Übersetzungsverhältnis

zu finden sein.

Welche Daten tatsächlich angegeben werden, ist herstellerabhängig.

Ein gut lesbares Foto des Achsschilds kann deshalb bei einer Ersatzteilanfrage wesentlich aussagekräftiger sein als die allgemeine Fahrzeugbezeichnung.

FIN und Achsdaten gemeinsam prüfen

Die FIN kann über geeignete Herstellerkataloge oder Fahrzeugdatenbanken helfen, die ursprüngliche Fahrzeugkonfiguration und Achsausführung einzugrenzen.

Bei achsinternen Ersatzteilen sollte sie jedoch nach Möglichkeit mit den Daten der tatsächlich verbauten Achse kombiniert werden.

Für eine Teileanfrage sind besonders hilfreich:

  • FIN
  • Achshersteller und Achstyp
  • Achs- oder Seriennummer
  • Übersetzungsverhältnis, sofern bekannt
  • OE-/Vergleichsnummer des gesuchten Bauteils
  • Foto des Achsschilds
  • Kennzeichnung des ausgebauten Bauteils

Gerade wenn die Achse in der Vergangenheit ersetzt wurde, können die Angaben an der tatsächlich verbauten Einheit entscheidend sein.

Hinterachsübersetzung ist mehr als eine Angabe zum Fahrverhalten

Die Hinterachsübersetzung beeinflusst das Verhältnis zwischen Drehzahl, Geschwindigkeit und Raddrehmoment. Für den Ersatzteilhandel ist sie vor allem deshalb relevant, weil unterschiedliche Übersetzungen und Achsausführungen innerhalb derselben Fahrzeugbaureihe vorkommen können.

Bei Differential- und Achsgetriebeteilen sollte daher nicht ausschließlich nach Fahrzeugmodell oder Motor gesucht werden. Die konkrete Achsidentifikation ist für eine zuverlässige Teilezuordnung wesentlich.

FalkePro berücksichtigt bei entsprechenden Ersatzteilanfragen neben den Fahrzeugdaten deshalb auch vorhandene Achsnummern, Übersetzungsangaben und OE-/Vergleichsnummern.

FalkePro – Ersatzteile für Nutzfahrzeuge

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