Bei Nutzfahrzeugen kommen unterschiedliche Bremssysteme zum Einsatz. Schwere LKW und Busse besitzen überwiegend Druckluftbremsanlagen, während bei Transportern und leichteren Nutzfahrzeugen hydraulische Bremsanlagen verbreitet sind.

Beide Systeme dienen der Verzögerung des Fahrzeugs, unterscheiden sich technisch jedoch grundlegend.

Wie funktioniert die pneumatische Bremse?

Bei einer Druckluftbremsanlage erzeugt ein Kompressor die benötigte Druckluft. Sie wird aufbereitet, in Behältern gespeichert und über Ventile beziehungsweise elektronische und pneumatische Steuerung zur Bremsbetätigung genutzt.

Je nach System gehören beispielsweise folgende Komponenten dazu:

  • Kompressor und Lufttrockner
  • Druckluftbehälter
  • Brems- und Steuerventile
  • Druckluftleitungen
  • Bremszylinder
  • ABS- oder EBS-Komponenten

Bei schweren Nutzfahrzeugen ermöglicht Druckluft außerdem die Versorgung weiterer pneumatischer Systeme.

Wie funktioniert die hydraulische Bremse?

Bei hydraulischen Bremsanlagen wird die Bremskraft über Bremsflüssigkeit übertragen. Durch die Betätigung wird hydraulischer Druck erzeugt und über Leitungen und Schläuche zu den Radbremsen übertragen.

Typische Komponenten sind Hauptbremszylinder, Bremsleitungen, Bremsschläuche und hydraulisch betätigte Bremssättel beziehungsweise Radbremszylinder.

Hydraulische Systeme benötigen deshalb unter anderem eine geeignete Bremsflüssigkeit und unterscheiden sich bei Wartung und Fehlersuche deutlich von einer Druckluftbremse.

Druckverlust bedeutet bei beiden Systemen etwas anderes

Bei einer hydraulischen Bremsanlage können Flüssigkeitsverlust, Luft im System oder andere hydraulische Störungen die Druckübertragung beeinträchtigen.

Bei einer pneumatischen Anlage stehen dagegen Druckluftversorgung, Luftverluste, Ventile, Leitungen und Bremszylinder im Mittelpunkt.

Auch die Sicherheitskonzepte unterscheiden sich. Die Aussage, eine Druckluftbremse würde bei jedem Druckverlust einfach automatisch die Betriebsbremse betätigen, wäre zu pauschal. Federspeicherbremsen werden beispielsweise durch Druckluft gelöst und können bei entsprechendem Druckverlust anlegen. Die genaue Reaktion hängt jedoch von Aufbau und betroffenem Bremskreis ab.

Unterschiede bei Wartung und Diagnose

Bei einer Druckluftbremsanlage können unter anderem Druckaufbau, Dichtheit, Luftaufbereitung, Ventile und Bremszylinder geprüft werden.

Bei hydraulischen Anlagen spielen dagegen Bremsflüssigkeit, hydraulische Dichtheit, Leitungen, Schläuche und Druckerzeugung eine wichtige Rolle.

Mechanische Komponenten wie Bremsscheiben, Bremsbeläge oder Bremstrommeln können dagegen bei beiden Systemarten vorhanden sein. „Pneumatisch“ oder „hydraulisch“ beschreibt daher nicht die komplette Radbremse, sondern insbesondere die Art der Kraft- beziehungsweise Druckübertragung und Betätigung.

ABS und EBS nicht mit dem Grundsystem verwechseln

ABS und EBS sind keine dritte Art der Bremsbetätigung.

ABS verhindert beziehungsweise begrenzt das Blockieren der Räder durch entsprechende Regelung. EBS steuert bei entsprechend ausgestatteten schweren Nutzfahrzeugen Bremsanforderungen elektronisch und setzt diese über das vorhandene Bremssystem um.

Ein Fahrzeug kann deshalb beispielsweise eine pneumatische Bremsanlage besitzen, deren Funktionen elektronisch über ein EBS geregelt werden.

Fazit

Pneumatische und hydraulische Bremsanlagen unterscheiden sich vor allem durch die Art der Druckerzeugung und Kraftübertragung. Schwere LKW und Busse arbeiten überwiegend mit Druckluft, während bei leichteren Nutzfahrzeugen hydraulische Systeme verbreitet sind.

Für Wartung und Diagnose ist diese Unterscheidung grundlegend. Gleichzeitig sollten ABS, EBS und die mechanische Radbremse nicht mit dem eigentlichen pneumatischen oder hydraulischen Betätigungssystem gleichgesetzt werden.

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