Die FIN ist eines der wichtigsten Hilfsmittel bei der Ersatzteilidentifikation. Trotzdem gibt es Nutzfahrzeuge, bei denen ein benötigtes Bauteil trotz eindeutig identifiziertem Fahrgestell nicht im Teilekatalog des Fahrzeugherstellers erscheint.

Der Grund kann im Aufbau liegen. Kipper, Müllfahrzeuge, Kühlfahrzeuge, Betonmischer und andere Spezialfahrzeuge werden auf einem Fahrgestell aufgebaut und erhalten dabei zusätzliche Systeme und Komponenten. Diese können vom Aufbauhersteller selbst oder von dessen Zulieferern stammen und deshalb außerhalb des Teilekatalogs des Fahrgestellherstellers geführt werden. 

Was macht ein Aufbauhersteller?

Der Fahrzeughersteller liefert je nach Fahrzeugkonzept beispielsweise ein Fahrgestell oder Grundfahrzeug. Der Aufbauhersteller ergänzt dieses für einen bestimmten Einsatzzweck.

Typische Anwendungen sind:

  • Kipper
  • Betonmischer
  • Müll- und Entsorgungsfahrzeuge
  • Kühlfahrzeuge
  • Abroll- und Wechselsysteme
  • Tankfahrzeuge
  • Kommunal- und Sonderfahrzeuge

Dabei können mechanische, hydraulische, pneumatische und elektrische Systeme ergänzt oder verändert werden.

Für die Ersatzteilbestimmung entsteht dadurch eine wichtige Unterscheidung: Gehört das gesuchte Teil zum Grundfahrzeug oder zum Aufbau?

Warum die FIN nicht immer ausreicht

Über geeignete Herstellerkataloge oder Fahrzeugdatenbanken kann die FIN zur Identifikation der ursprünglichen Fahrzeugkonfiguration genutzt werden.

Sie bildet jedoch nicht zwangsläufig sämtliche später durch einen Aufbauhersteller integrierten Komponenten ab.

Ein Hydraulikventil des Kippers, ein Sensor der Müllpresse oder eine Steuerung des Kühlaufbaus kann beispielsweise eine eigene Hersteller- und Artikelnummer besitzen. Die FIN des Grundfahrzeugs führt dann möglicherweise nicht zum gesuchten Ersatzteil.

Das bedeutet nicht, dass die FIN nutzlos ist. Sie bleibt wichtig für die Identifikation des Fahrzeugs – muss bei aufbauspezifischen Komponenten jedoch durch weitere Informationen ergänzt werden.

Hydraulik ist häufig aufbauspezifisch

Besonders deutlich wird das bei hydraulischen Systemen.

Je nach Aufbau können beispielsweise verbaut sein:

  • Hydraulikpumpen
  • Ventil- und Steuerblöcke
  • Hydraulikzylinder
  • Filter
  • Leitungen und Schläuche
  • Anschlussstücke

Welche Komponenten eingesetzt werden, hängt vom konkreten Aufbau und dessen technischer Ausführung ab. Selbst zwei Fahrzeuge mit identischem Fahrgestell können deshalb unterschiedliche Hydrauliksysteme besitzen. 

Auch Elektrik und Sensorik können zum Aufbau gehören

Moderne Aufbauten besitzen häufig eigene Steuerungs- und Überwachungssysteme.

Dazu können beispielsweise zusätzliche Steuergeräte, Bedienelemente, Relais, Sensoren und Kabelbäume gehören. 

Bei einem elektrischen Fehler sollte deshalb zunächst geklärt werden, ob die betroffene Funktion zur Fahrzeugelektrik oder zum Aufbausystem gehört.

Auch bei der Ersatzteilbestellung ist diese Trennung wichtig. Ein Sensor am Aufbau muss nicht zwangsläufig über den Teilekatalog des LKW-Herstellers identifizierbar sein.

Halter, Leitungen und Adapter nicht unterschätzen

Nicht nur komplexe Baugruppen können aufbauspezifisch sein.

Auch vergleichsweise einfache Teile wie Halterungen, Konsolen, Adapter, Schutzteile oder Befestigungssätze können speziell für einen bestimmten Aufbau konstruiert worden sein. 

Ähnliches gilt für Kabel, Luft-, Kühlmittel- oder Hydraulikleitungen. Länge, Anschluss, Führung und Befestigung können von der konkreten Einbausituation abhängen.

Eine Bestellung allein anhand eines ähnlichen Fahrzeugs ist deshalb riskant.

Woran erkennt man ein aufbauspezifisches Ersatzteil?

Hinweise auf ein Aufbauteil können beispielsweise sein:

  • keine passende OE-Nummer des Fahrzeugherstellers
  • Typenschild eines anderen Herstellers
  • Bauteil befindet sich unmittelbar am Aufbau
  • Funktion gehört zum Aufbau
  • Fahrzeugkatalog liefert keinen passenden Treffer

Keiner dieser Punkte ist für sich allein ein sicherer Beweis. Sie sind jedoch gute Hinweise darauf, zusätzlich den Aufbauhersteller und dessen Dokumentation zu prüfen.

Welche Angaben für die Teileanfrage wichtig sind

Bei vermutlich aufbauspezifischen Ersatzteilen sind neben der FIN weitere Informationen besonders hilfreich:

  • Art des Aufbaus
  • Hersteller des Aufbaus
  • Typ beziehungsweise Modell des Aufbaus
  • Serien- oder Identifikationsnummer des Aufbaus, sofern vorhanden
  • Hersteller und Nummer des gesuchten Bauteils
  • Foto des Typenschilds oder Etiketts
  • Foto des Bauteils und Einbauorts
  • bei elektrischen Teilen: Stecker und Anschlussausführung
  • bei Leitungen: Länge und Anschlüsse

Gerade Fotos von Typenschildern und vorhandene Bauteilnummern können die Suche erheblich vereinfachen. 

Fahrgestell und Aufbau getrennt identifizieren

Bei Spezialfahrzeugen reicht die Frage „Welcher LKW ist das?“ daher nicht immer aus.

Für ein Fahrgestellteil können FIN und OE-/Vergleichsnummer entscheidend sein. Für ein Aufbauteil können dagegen Aufbauhersteller, Aufbautyp und die Kennzeichnung des konkreten Bauteils wichtiger werden.

FalkePro berücksichtigt diese Unterscheidung bei der Teileprüfung. Wenn ein gesuchtes Ersatzteil zum Aufbau gehören könnte, sollten deshalb neben den Fahrzeugdaten möglichst auch Aufbau- und Bauteildaten übermittelt werden.

FalkePro – Ersatzteile für Nutzfahrzeuge

FalkePro ist auf die Beschaffung und den B2B-Handel von Ersatzteilen für LKW, Busse und Transporter spezialisiert. Wir unterstützen Werkstätten, Teilehändler, Fuhrparks und Speditionen bei der Ersatzteilbeschaffung in Deutschland und internationalen Märkten.

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