Ein hoher Differenzdruck, häufige Regenerationen oder eine DPF-Warnmeldung führen schnell zu der Annahme: Der Dieselpartikelfilter ist verstopft und muss ersetzt werden.
Das kann richtig sein – muss es aber nicht.
Der DPF ist Teil der gesamten Abgasnachbehandlung. Seine Beladung hängt unter anderem von der Rußentstehung des Motors, den Abgastemperaturen, dem Fahrprofil und der korrekten Erfassung verschiedener Messwerte ab.
Treten DPF-Probleme wiederholt auf, sollte deshalb nicht nur der Filter selbst geprüft werden. Entscheidend ist die Frage: Warum konnte der DPF seine vorgesehene Regeneration nicht erfolgreich durchführen?
Welche Aufgabe hat der Dieselpartikelfilter?
Der Dieselpartikelfilter hält einen großen Teil der im Abgas enthaltenen Partikel zurück. Dadurch steigt seine Rußbeladung während des Betriebs.
Damit der Filter nicht kontinuierlich voller wird, muss der angesammelte Ruß regelmäßig abgebaut werden. Abhängig vom Fahrzeug und Betriebszustand geschieht dies durch passive beziehungsweise aktiv gesteuerte Regenerationsprozesse.
Für eine erfolgreiche Regeneration müssen die erforderlichen Betriebs- und Temperaturbedingungen erreicht werden.
Ruß und Asche sind nicht dasselbe
Bei der Beurteilung eines DPF ist die Unterscheidung zwischen Rußbeladung und Aschebeladung besonders wichtig.
Ruß entsteht bei der Verbrennung und kann während einer erfolgreichen Regeneration weitgehend oxidiert werden.
Asche besteht dagegen aus nicht brennbaren Rückständen, beispielsweise aus Bestandteilen von Motoröl und Verschleißprodukten. Sie bleibt im Filter zurück und sammelt sich mit zunehmender Laufleistung an.
Eine Regeneration kann deshalb einen mit Asche beladenen Filter nicht wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen.
Ob ein DPF regeneriert, professionell gereinigt oder ersetzt werden muss, hängt daher auch von Beladungsart, Filterzustand und Herstellervorgaben ab.
Warum ein DPF zu schnell mit Ruß beladen kann
Eine ungewöhnlich schnelle Rußbeladung kann verschiedene Ursachen haben.
Dazu gehören beispielsweise:
- häufige Kurzstrecken oder ungeeignete Betriebsbedingungen
- abgebrochene beziehungsweise nicht abgeschlossene Regenerationen
- Probleme bei der Verbrennung
- Fehler im Luft- oder Kraftstoffsystem
- Störungen im AGR-System
- ungeeignete Abgastemperaturen
- fehlerhafte Sensorwerte
Wird lediglich der Filter ersetzt, ohne eine solche Ursache zu beheben, kann auch der neue DPF innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit wieder eine hohe Beladung erreichen.
Differenzdruck richtig beurteilen
Der Differenzdruck ist eine wichtige Größe bei der DPF-Diagnose. Er wird vor und hinter dem Filter beziehungsweise über entsprechende Druckanschlüsse erfasst.
Ein erhöhter Wert kann auf einen zunehmenden Strömungswiderstand des Filters hinweisen.
Der Messwert sollte jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Auch ein fehlerhafter Differenzdrucksensor, beschädigte oder zugesetzte Druckleitungen sowie unplausible Messwerte können die Diagnose beeinflussen.
Deshalb sollte vor einem DPF-Austausch geprüft werden, ob Messwert, Leitungen und tatsächlicher Filterzustandzusammenpassen.
Abgastemperatur ist für die Regeneration entscheidend
Für den Abbau der Rußbeladung müssen geeignete Temperaturen im Abgasstrang erreicht werden.
Das Motor- und Abgasmanagement nutzt dafür unter anderem Signale von Abgastemperatursensoren. Werden falsche oder unplausible Werte erfasst, kann eine Regeneration aus Sicherheits- oder Plausibilitätsgründen verhindert, unterbrochen oder nicht korrekt gesteuert werden.
Ein DPF-Problem kann deshalb auch durch einen Fehler entstehen, der sich vor oder außerhalb des eigentlichen Filters befindet.
Welche Rolle spielt das AGR-System?
Auch Störungen der Abgasrückführung können die DPF-Beladung beeinflussen.
Ein nicht korrekt arbeitendes AGR-System kann Verbrennung und Rußbildung verändern. Deshalb sollten bei wiederkehrenden DPF-Problemen vorhandene Fehler im AGR-, Luft- und Motormanagement nicht unabhängig vom Partikelfilter betrachtet werden.
Der entscheidende Punkt ist nicht, grundsätzlich das AGR-System für einen vollen DPF verantwortlich zu machen, sondern die Ursache einer ungewöhnlichen Rußbildung systematisch zu bestimmen.
Wann ist der DPF selbst das Problem?
Nicht jedes DPF-Problem ist auf Sensorik oder andere Fahrzeugsysteme zurückzuführen.
Der Filter selbst kann beispielsweise:
- seine zulässige Aschebeladung erreicht haben
- intern beschädigt sein
- thermisch überlastet worden sein
- einen beschädigten Filterkörper besitzen
- durch ungeeignete Ablagerungen zugesetzt sein
In solchen Fällen reicht eine Regeneration möglicherweise nicht aus.
Deshalb sollte zwischen einem regenerierbaren Beladungszustand und einem tatsächlich reinigungs- oder austauschbedürftigen Filter unterschieden werden.
Warum ein neuer DPF erneut Probleme bekommen kann
Wird ein stark beladener Filter ersetzt, ohne die Ursache der ungewöhnlichen Beladung zu prüfen, kann zunächst alles normal erscheinen.
Der neue Filter besitzt wieder ausreichend Aufnahmekapazität. Bestehen jedoch beispielsweise Verbrennungs-, Sensor- oder Regenerationsprobleme weiter, beginnt auch dieser Filter erneut übermäßig Ruß aufzunehmen.
Ein wiederholt voller DPF ist deshalb ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Diagnose über das Bauteil hinausgehen sollte.
DPF vor dem Austausch systematisch prüfen
Bei DPF-Problemen können je nach Fahrzeug unter anderem folgende Punkte relevant sein:
- Fehlercodes und Messwerte
- berechnete Ruß- und Aschebeladung
- Differenzdruck unter definierten Betriebsbedingungen
- Differenzdrucksensor und Druckleitungen
- Abgastemperatursensoren
- Verlauf und Häufigkeit der Regenerationen
- Motor- und AGR-Fehler
- Ölverbrauch und Verbrennungszustand
- physischer Zustand des Filters
Welche Prüfwerte und Verfahren anzuwenden sind, richtet sich nach dem jeweiligen Fahrzeug und den Herstellervorgaben.
Fazit
Eine DPF-Warnmeldung oder ein hoher Differenzdruck bedeutet nicht automatisch, dass der Dieselpartikelfilter ersetzt werden muss.
Entscheidend ist zunächst die Unterscheidung zwischen Rußbeladung, Aschebeladung, tatsächlichem Filterschaden und einem Fehler im umgebenden System.
Besonders bei wiederkehrenden DPF-Problemen sollten Sensorik, Regenerationsbedingungen und Motorbetrieb in die Diagnose einbezogen werden. Erst danach lässt sich zuverlässig beurteilen, ob eine Regeneration, Reinigung oder der Austausch des Dieselpartikelfilters erforderlich ist.
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