Membranzylinder und Federspeicher gehören zu den zentralen Betätigungselementen pneumatischer Bremsanlagen bei LKW, Bussen und anderen Nutzfahrzeugen. Äußerlich können verschiedene Ausführungen ähnlich wirken, ihre Funktion ist jedoch unterschiedlich.
Für die Ersatzteilbestimmung reicht deshalb die allgemeine Bezeichnung „Bremszylinder“ nicht aus. Entscheidend ist, welche Funktion der Zylinder übernimmt und welche konkrete Ausführung am Fahrzeug verbaut ist.
Was macht ein Membranzylinder?
Ein Membranzylinder wandelt Druckluft in eine mechanische Bewegung um.
Beim Betätigen der Betriebsbremse gelangt Druckluft in die Kammer und wirkt auf eine Membran. Die dadurch erzeugte Bewegung wird über die Druckstange an die jeweilige Bremsmechanik weitergegeben.
Wird der Bremsdruck abgebaut, bewegt sich der Mechanismus wieder in seine Ausgangsstellung.
Der Membranteil dient damit der pneumatischen Betätigung der Betriebsbremse.
Was macht ein Federspeicher?
Der Federspeicher arbeitet nach einem anderen Prinzip. Hier erzeugt eine starke mechanische Feder die Betätigungskraft.
Druckluft wird verwendet, um die Federkraft entgegenzuhalten und die Federspeicherbremse zu lösen. Wird der entsprechende Druck abgebaut, kann die gespeicherte Federkraft die Bremse betätigen.
Dieses Prinzip wird insbesondere für die Feststellbremsfunktion und als Bestandteil der Sicherheitsfunktion pneumatischer Bremssysteme genutzt.
Vereinfacht gilt daher:
Betriebsbremskammer: Druckluft betätigt die Bremse.
Federspeicherkammer: Druckluft hält die Feder zurück; bei Druckabbau wirkt die Feder.
Kombizylinder sind bei Nutzfahrzeugen besonders wichtig
In der Praxis muss noch genauer unterschieden werden.
Bei vielen Nutzfahrzeugen werden an angetriebenen Achsen sogenannte Kombibremszylinder beziehungsweise Tristop-Zylinder eingesetzt. Sie kombinieren eine Membrankammer für die Betriebsbremse mit einer Federspeicherkammer für die Feststellbremsfunktion in einer Einheit.
Deshalb ist die vereinfachte Gegenüberstellung „Membranzylinder oder Federspeicherzylinder“ technisch nicht immer ausreichend. Ein äußerlich größerer Federspeicher-Bremszylinder kann beide Funktionen in einem gemeinsamen Bauteil enthalten.
Für die Ersatzteilbestellung muss daher die konkrete Bauart identifiziert werden.
Warum die Zylinder nicht beliebig austauschbar sind
Bremszylinder unterscheiden sich nicht nur in ihrer grundsätzlichen Funktion. Je nach Fahrzeug und Bremssystem können weitere Merkmale variieren, beispielsweise:
- Zylindergröße beziehungsweise Typ
- Hub
- Befestigung
- Anschlusspositionen
- Druckstangenlänge und Ausführung
- Einbauposition
- Hersteller und Bremssystem
- Ausführung mit oder ohne Federspeicher
Eine ähnliche Gehäuseform ist deshalb kein Kompatibilitätsnachweis.
Gerade bei sicherheitsrelevanten Bremskomponenten sollte niemals ausschließlich anhand eines Fotos oder ungefährer Abmessungen bestellt werden.
Was bedeuten Angaben wie Typ 20, 24 oder 30?
Bei Bremszylindern finden sich häufig Typangaben beziehungsweise Größenbezeichnungen wie 20, 24 oder 30. Bei Kombibremszylindern können entsprechend Kombinationen wie 24/30 vorkommen.
Diese Angaben beziehen sich auf die jeweilige Kammergröße beziehungsweise wirksame Membranfläche nach dem zugrunde liegenden System und sind für die erzeugbare Betätigungskraft relevant.
Sie sollten deshalb nicht als bloße Gehäusegrößen betrachtet werden.
Auch bei gleicher Typangabe müssen jedoch weitere technische Merkmale übereinstimmen.
Einbauposition und Achse berücksichtigen
Bei der Teilezuordnung ist außerdem wichtig, an welcher Achse und Position der Bremszylinder eingesetzt wird.
Je nach Fahrzeug können Vorder-, Antriebs-, Nachlauf- oder andere Achsen unterschiedliche Bremszylinder verwenden. Auch links und rechts können je nach Konstruktion unterschiedliche Anschluss- oder Einbausituationen bestehen.
Die Information „6×2 LKW mit Scheibenbremse“ reicht deshalb nicht zwangsläufig aus, um den passenden Bremszylinder eindeutig zu bestimmen.
Sicherheit beim Umgang mit Federspeichern
Federspeicher enthalten eine stark vorgespannte Feder. Dadurch unterscheiden sie sich auch bei Wartung und Reparatur wesentlich von einfachen Membranzylindern.
Ein Federspeicher darf nicht ohne geeignete Verfahren und Herstellervorgaben geöffnet oder zerlegt werden. Die gespeicherte mechanische Energie kann erhebliche Verletzungsgefahr verursachen.
Arbeiten an diesen Komponenten gehören deshalb in fachkundige Hände und müssen nach den Vorgaben für das jeweilige Bremssystem durchgeführt werden.
Welche Angaben sind für die Ersatzteilbestellung wichtig?
Für die Identifikation eines Bremszylinders sind je nach Ausführung besonders hilfreich:
- FIN
- OE-/Vergleichsnummer
- Hersteller und Teilenummer des vorhandenen Zylinders
- Typ beziehungsweise Größenangabe, beispielsweise 24/30
- betroffene Achse und Einbauposition
- Anschluss- und Befestigungsausführung
- Foto des Typenschilds beziehungsweise der Kennzeichnung
Bei unklaren Varianten sollte die vorhandene Komponente technisch identifiziert werden, bevor ein Ersatzteil ausschließlich anhand der Fahrzeugbezeichnung ausgewählt wird.
FalkePro berücksichtigt bei entsprechenden Anfragen deshalb neben der FIN insbesondere vorhandene OE-/Vergleichsnummern und die Kennzeichnung des verbauten Bremszylinders.
FalkePro – Ersatzteile für Nutzfahrzeuge
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