RoHS und REACH werden im Ersatzteilhandel häufig gemeinsam genannt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um unterschiedliche europäische Regelwerke mit verschiedenen Anwendungsbereichen.
Für Händler und Importeure von LKW-, Bus- und Transporterteilen ist besonders wichtig: Nicht jedes Ersatzteil fällt automatisch unter RoHS, während REACH aufgrund seines breiteren Anwendungsbereichs auch für zahlreiche Erzeugnisse und Materialien relevant sein kann.
Was bedeutet RoHS?
RoHS steht für Restriction of Hazardous Substances. Die europäische RoHS-Richtlinie beschränkt bestimmte gefährliche Stoffe in elektrischen und elektronischen Geräten, die in ihren Anwendungsbereich fallen.
Dazu gehören beispielsweise Grenzwerte für bestimmte Schwermetalle, Flammschutzmittel und Weichmacher.
Ob ein konkretes Fahrzeugteil unter RoHS fällt, muss jedoch produktspezifisch geprüft werden.
Gerade im Fahrzeugbereich ist eine pauschale Aussage wie „elektronisches Ersatzteil = RoHS-pflichtig“ nicht korrekt. Für bestimmte elektrische und elektronische Ausrüstungen, die speziell für Verkehrsmittel bestimmt sind, bestehen Ausnahmen beziehungsweise besondere Abgrenzungen.
Bei Sensoren, Steuergeräten, Kabeln, LED-Komponenten oder anderen elektronischen Teilen sollte deshalb zunächst geklärt werden, ob das konkrete Produkt überhaupt in den Anwendungsbereich der RoHS-Richtlinie fällt.
Was bedeutet REACH?
REACH steht für Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals und ist eine EU-Verordnung zum Chemikalienrecht.
REACH betrifft nicht nur Chemikalien im klassischen Sinn. Auch Stoffe in Gemischen und Erzeugnissen können bestimmte Pflichten auslösen.
Für Fahrzeugersatzteile können beispielsweise Materialien relevant sein wie:
- Kunststoffe
- Elastomere und Dichtungen
- Beschichtungen
- Kleb- und Dichtstoffe
- Metalle und Legierungen
- Kabel- und Isolationsmaterialien
Welche Verpflichtungen bestehen, hängt unter anderem davon ab, welche Stoffe enthalten sind, in welcher Konzentration sie vorkommen und welche Rolle das jeweilige Unternehmen in der Lieferkette einnimmt.
SVHC und Informationspflichten
Besonders relevant im Ersatzteilhandel sind die unter REACH geführten besonders besorgniserregenden Stoffe – Substances of Very High Concern (SVHC).
Enthält ein Erzeugnis einen Stoff der REACH-Kandidatenliste oberhalb der maßgeblichen Konzentrationsschwelle, können Informationspflichten gegenüber gewerblichen Abnehmern und unter bestimmten Voraussetzungen weitere Pflichten entstehen.
Deshalb ist eine pauschale Aussage wie „REACH-konform“ häufig weniger aussagekräftig als eine konkrete Information darüber, welche REACH-Anforderung geprüft wurde und auf welchen Produktstand sich die Erklärung bezieht.
RoHS und REACH unterscheiden
Vereinfacht gilt:
RoHS beschränkt bestimmte Stoffe in elektrischen und elektronischen Geräten innerhalb ihres Anwendungsbereichs.
REACH regelt wesentlich umfassender den Umgang mit chemischen Stoffen und kann auch Stoffe in Fahrzeugteilen und anderen Erzeugnissen betreffen.
Ein Produkt kann daher von REACH betroffen sein, obwohl RoHS für dieses konkrete Produkt nicht gilt.
Ebenso ersetzt eine RoHS-Erklärung keine erforderlichen REACH-Informationen.
Warum das beim Import von Ersatzteilen wichtig ist
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn Fahrzeugteile aus Nicht-EU-Ländern in die Europäische Union eingeführt werden.
Je nach Produkt und Regelwerk können Importeure eigene gesetzliche Verpflichtungen übernehmen. Eine Lieferantenaussage wie „RoHS/REACH compliant“ sollte deshalb nicht ungeprüft als vollständiger Nachweis für sämtliche europäischen Anforderungen verstanden werden.
Sinnvoll sind eindeutig produktbezogene Unterlagen, beispielsweise mit:
- Hersteller und Produktbezeichnung
- Artikelnummer
- eindeutigem Dokumentenstand
- benannten Vorschriften oder Stoffanforderungen
- gegebenenfalls Material- oder Stoffinformationen
Welche Dokumente tatsächlich erforderlich sind, hängt vom Produkt und der jeweiligen gesetzlichen Verpflichtung ab.
REACH ist nicht dasselbe wie eine Konformitätserklärung
Auch hier sollte sauber unterschieden werden.
Eine allgemeine Lieferantenerklärung zu REACH ist nicht automatisch eine EU-Konformitätserklärung im produktsicherheitsrechtlichen Sinn.
Ebenso bedeutet eine vorhandene REACH- oder RoHS-Dokumentation nicht automatisch, dass ein Fahrzeugteil für ein bestimmtes Nutzfahrzeug genehmigt oder technisch kompatibel ist.
Genehmigung, Teilezuordnung und Stoffrecht sind unterschiedliche Prüfebenen.
Was Teilehändler und Einkäufer prüfen sollten
Bei RoHS- und REACH-Anfragen sollte zunächst geklärt werden:
- welches konkrete Ersatzteil betroffen ist
- welche Materialien beziehungsweise elektronischen Komponenten enthalten sind
- ob RoHS auf das Produkt tatsächlich anwendbar ist
- welche REACH-Pflichten für das Produkt relevant sind
- welche Rolle Hersteller, Importeur oder Händler in der Lieferkette einnimmt
- ob aktuelle und eindeutig zuordenbare Lieferantenunterlagen vorliegen
Bei FalkePro sind solche Angaben insbesondere bei internationalen Lieferketten und kundenspezifischen Compliance-Anforderungen relevant. Technische Teilezuordnung und regulatorische Produktanforderungen sollten dabei getrennt geprüft werden.
FalkePro – Ersatzteile für Nutzfahrzeuge
FalkePro ist auf die Beschaffung und den B2B-Handel von Ersatzteilen für LKW, Busse und Transporter spezialisiert. Wir unterstützen Werkstätten, Teilehändler, Fuhrparks und Speditionen bei der Ersatzteilbeschaffung in Deutschland und internationalen Märkten.
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