Bei der Wartung von Nutzfahrzeugen stehen häufig Bremsen, Fahrwerk und Antriebsstrang im Mittelpunkt. Bei Sattelaufliegern, Anhängern und Kippern kommen jedoch weitere mechanische und hydraulische Komponenten hinzu, die für den sicheren Betrieb wichtig sind.
Dazu gehören beispielsweise Stützwinden, Kipprahmen, Lagerungen, Gelenke und Hydraulikkomponenten. Verschleiß oder Beschädigungen in diesen Bereichen können die Funktion beim Abstellen, Aufsatteln oder Kippen beeinträchtigen.
Stützwinden am Auflieger prüfen
Stützwinden tragen den vorderen Bereich eines abgestellten Sattelaufliegers und ermöglichen das Anheben beziehungsweise Absenken beim An- und Abkuppeln.
Dabei wirken erhebliche Lasten auf Stützen, Getriebe, Kurbelmechanismus, Befestigungen und Stützfüße.
Bei der Kontrolle können unter anderem auffallen:
- Verformungen oder Beschädigungen
- starke Korrosion
- ungewöhnliches Spiel
- beschädigte Befestigungen
- schwergängiger Kurbelmechanismus
- ungewöhnliche Geräusche
- beschädigte oder verformte Stützfüße
Schwergängigkeit bedeutet nicht automatisch, dass die komplette Stützwinde ersetzt werden muss. Ursache können je nach Konstruktion beispielsweise Mechanik, Schmierung, Beschädigung oder Verformung sein.
Die Wartungs- und Schmiervorgaben des jeweiligen Herstellers sind zu beachten.
Kipprahmen und Lagerstellen kontrollieren
Bei Kippfahrzeugen wird der Aufbau während des Entladens angehoben. Dadurch verändern sich Lastverteilung und Kraftverhältnisse erheblich.
Kipprahmen, Dreh- beziehungsweise Lagerpunkte und Befestigungen sollten deshalb auf ihren technischen Zustand geprüft werden.
Relevant sind insbesondere:
- Risse
- Verformungen
- Korrosion
- beschädigte Schweißbereiche
- ungewöhnliches Spiel an Lagerstellen
- beschädigte Bolzen oder Buchsen
- auffällige Befestigungen
Ein zunehmendes Spiel kann auf Verschleiß hinweisen. Welche Toleranzen zulässig sind, lässt sich jedoch nicht pauschal festlegen und richtet sich nach Konstruktion und Herstellervorgabe.
Risse und Schweißbereiche ernst nehmen
Tragende Bereiche sollten bei der Sichtprüfung besonders aufmerksam betrachtet werden. Auffälligkeiten können unter anderem an Übergängen, Befestigungspunkten und Schweißnähten auftreten.
Nicht jeder feine Oberflächenbefund ist automatisch ein struktureller Riss. Umgekehrt können relevante Schäden durch Schmutz, Korrosion oder Beschichtungen schwer erkennbar sein.
Besteht ein konkreter Rissverdacht, kann abhängig von Werkstoff und Bauteil eine weiterführende zerstörungsfreie Prüfung erforderlich sein.
An tragenden Konstruktionen sollte außerdem nicht ohne freigegebenes Reparaturverfahren geschweißt werden. Werkstoff, Konstruktion und Belastung müssen bei einer Reparatur berücksichtigt werden.
Hydraulik beim Kipper prüfen
Zum Kippsystem können je nach Fahrzeug Hydraulikzylinder, Leitungen, Schläuche, Anschlüsse, Ventile, Pumpen und weitere Komponenten gehören.
Bei der Kontrolle sind beispielsweise relevant:
- sichtbare Undichtigkeiten
- beschädigte Schläuche und Leitungen
- Zustand von Anschlüssen
- ungewöhnliche Geräusche
- ruckartige oder auffällig ungleichmäßige Bewegung
- äußerlich erkennbare Schäden am Hydraulikzylinder
Eine ungleichmäßige Kippbewegung beweist allerdings keinen defekten Hydraulikzylinder.
Auch Hydraulikversorgung, Ventile, Leitungen, mechanische Lagerstellen oder andere Komponenten können das Bewegungsverhalten beeinflussen.
Undichtigkeiten nicht nur als Flüssigkeitsverlust betrachten
Austretende Hydraulikflüssigkeit ist nicht nur wegen des Flüssigkeitsverlusts relevant. Sie kann auf beschädigte Dichtungen, Leitungen, Schläuche oder Verbindungen hinweisen und sollte lokalisiert werden.
Ein bloßes Reinigen der betroffenen Stelle beseitigt die Ursache nicht.
Ebenso sollte ein undichter Anschluss nicht ohne Prüfung einfach stärker angezogen werden. Anschlussart, Dichtung, Gewinde und vorgeschriebenes Anzugsverfahren müssen berücksichtigt werden.
Korrosion richtig beurteilen
Auflieger und Kippfahrzeuge sind Wasser, Schmutz, Streusalz und wechselnden Witterungsbedingungen ausgesetzt. Korrosion ist deshalb an vielen Bereichen möglich.
Oberflächlicher Rost und eine strukturell relevante Materialschädigung sind jedoch nicht dasselbe.
Bei tragenden oder stark belasteten Komponenten ist entscheidend, ob Korrosion bereits zu erheblichem Materialverlust, Beschädigungen oder einer Beeinträchtigung der Verbindung geführt hat.
Die Beurteilung sollte sich daher nicht allein an der optischen Erscheinung orientieren.
Sicherheit beim Arbeiten am angehobenen Kippaufbau
Bei Arbeiten an Kippfahrzeugen besteht eine besondere Gefahr durch den angehobenen Aufbau.
Ein angehobener Kippaufbau darf nicht allein durch das Hydrauliksystem als sicher abgestützt betrachtet werden. Für Wartungs- und Reparaturarbeiten müssen die vorgesehenen Sicherungs- beziehungsweise Abstützeinrichtungen und die Herstellervorgaben verwendet werden.
Arbeiten unter einem unzureichend gesicherten Kippaufbau können lebensgefährlich sein.
Auch bei Stützwinden und abgestellten Aufliegern müssen standsicherer Untergrund, Fahrzeugzustand und die vorgesehenen Sicherungsmaßnahmen berücksichtigt werden.
Auffälligkeiten im Betrieb als Diagnosehinweis nutzen
Bestimmte Veränderungen können Anlass für eine genauere Prüfung geben:
- Stützwinde lässt sich ungewöhnlich schwer bedienen
- Stütze steht sichtbar schief oder ist verformt
- ungewöhnliches Spiel an Kipp- oder Lagerpunkten
- Kippbewegung verändert sich
- Hydraulikflüssigkeit tritt aus
- ungewöhnliche Geräusche entstehen
- Risse oder starke Korrosion werden sichtbar
Solche Symptome zeigen, dass eine Prüfung erforderlich ist. Sie identifizieren jedoch nicht automatisch das defekte Bauteil.
Aufbau und Fahrgestell unterscheiden
Bei Ersatzteilen für Auflieger und Kippfahrzeuge ist eine Besonderheit wichtig: Nicht alle Komponenten stammen vom Hersteller des Zugfahrzeugs beziehungsweise Fahrgestells.
Aufbauhersteller, Aufliegerhersteller und Zulieferer können eigene Hydraulik-, Stütz- und Kippkomponenten verwenden.
Bei solchen Teilen sind deshalb häufig Hersteller und Kennzeichnung des tatsächlich verbauten Bauteils besonders wichtig. Allein anhand der FIN des Zugfahrzeugs lässt sich beispielsweise eine Stützwinde des Sattelaufliegers nicht bestimmen.
Kontrolle nach Einsatz und Herstellervorgabe
Wie häufig Stützen, Lagerstellen, Kipprahmen oder Hydraulikkomponenten geprüft und gewartet werden müssen, hängt von Fahrzeug, Aufbau, Einsatzbedingungen und Herstellervorgaben ab.
Baustellenbetrieb, häufige Kippzyklen, hohe Beanspruchung und starke Umwelteinflüsse können die Belastung erhöhen.
Pauschale Prüf- oder Wechselintervalle sind deshalb wenig sinnvoll. Maßgeblich sind die Vorgaben für das konkrete Fahrzeug beziehungsweise den jeweiligen Aufbau.
Stützen, Kipprahmen und Hydraulik als System betrachten
Bei Aufliegern und Kippfahrzeugen gehören mechanische Befestigungen, Lagerstellen und Hydraulik zu den Bereichen, deren Zustand regelmäßig berücksichtigt werden sollte.
Spiel, Risse, Verformungen, Korrosion oder Undichtigkeiten können wichtige Hinweise auf beginnenden Verschleiß oder Schäden liefern. Entscheidend ist eine fachgerechte Bewertung, bevor aus einer kleinen Auffälligkeit ein größerer Ausfall entsteht.
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